• Marcus Disselkamp

3D Druck revolutioniert klassische Theorie der Wettbewerbsfähigkeit

Aktualisiert: 23. Feb 2019



Die Regeln der Wettbewerbsfähigkeit gelten seit vielen Jahren. Aktuelle Megatrends - wie der 3D Druck - ändern jedoch die Möglichkeiten zum Aufbau der Wettbewerbsfähigkeit.

In der Unternehmensführung galten bis vor Kurzem nur zwei Strategien, die einer Firma langfristig das Überleben sichern. Entweder ein Unternehmen ist Kostenführer oder es ist Nutzenführer. Die Wahl hieß also „Aldi“ oder „Red Bull“. Man war so günstig in seinen Leistungsprozessen und Strukturen, dass man selbst bei niedrigen Preisen gute Renditen erwirtschaftete. Oder man bot als Nutzenführer seinen Kunden qualitative und /oder emotionale Mehrwerte, für die diese freiwillig einen Preisaufschlag akzeptierten. Wer jedoch weder reale Kosten- noch Nutzenvorteile lieferte, befand sich im Sumpf der Vergleich- und Austauschbarkeit.

Dank der Digitalisierung wird dies nun anders! Ein schönes Beispiel bietet hier die Entwicklung des 3D Drucks. Dank sich immer weiter entwickelten Technologie kann ein Unternehmen auf einen Schlag Kosten- und Nutzenführer werden.

Aktuell zeigt dies das Speedfactory Projekt von Adidas. Zusammen mit dem Mittelständer Oechsler Motion GmbH betreibt adidas seit Dezember 2015 im fränkischen Ansbach die adidas Speedfactory Pilotfabrik. Etwa 160 Angestellte sollen auf einer Fläche von 4.600 m2 jährlich eine halbe Millionen Schuhe produzieren (weltweiter Jahresabsatz 300 Mio. Schuhe). Die kommerzielle Serienproduktion nutzt dabei auch die 3D-Drucker Technik: Während eine Strickmaschine zunächst den Stoff für die Oberfläche der Schuhe herstellt, der dann von einem Laser zugeschnitten wird, erfolgt die Sohlen-Produktion aus dem 3D-Drucker. Eine weitere Maschine schweißt dann Oberteil und Sohle zusammen (Quelle: www.adidas-group.com). Mehrere Kosten- und Nutzenvorteile kann dieses Verfahren bieten: Erstens sind für die Produktion kaum noch Mitarbeiter nötig, zweitens erfolgt ein Abbau von Lagerkapazitäten, da die Fertigung erst nach Auftragseingang erfolgt, und drittens erlaubt die hoch automatisierte, zeitnahe Produktion die Herstellung personalisierter Modelle – ganz im Sinne der Mass Customisation.

3D Druck wird in Zukunft auch für die Automobilindustrie positive Effekte haben. Im Gegensatz zur klassischen Autoherstellung gewährt die neue Technik Nutzenvorteile im Design, wie beispielsweise die Fertigung von versteckten Hohlräumen und dünnen Wänden. 3D Druck eröffnet Kostenvorteile im Vergleich zur klassischen Fertigungstechnik indem sie die teuren Sandguss- und Druckgussverfahren ganz oder teilweise ersetzt. Anstatt Tagen oder Wochen können dann Komponenten innerhalb von Stunden mit weniger Energie, umweltschonender und kostengünstiger produziert werden. Damit beschleunigt 3D Druck beispielsweise die Herstellung von Prototypen und ermöglicht individuelle Kleinserien. So haben gerade im Juni 2016 Local Motors (Maryland, USA) und IBM den ersten selbstfahrenden, aus dem 3D Drucker stammenden Kleinbus vorgestellt. Mit Sitzplätzen für 12 Passagiere kann das Fahrzeug namens „Olli“ dank seiner ausgefeilten Sensorik zudem große Mengen an Verkehrsdaten analysieren und mit den Fahrgästen interagieren. Per Ende 2016 wird der Bus dann auf öffentlichen Straßen in Las Vegas und Miami Dade-County eingesetzt (Quelle: www.wired.de).

Auch in der Zahntechnik entwickeln sich Nutzen- und Kostenvorteile dank 3D-Druck: Durch die Kombination von intraoralen Scans, CAD/CAM-Design und 3D-Druck können Dentallabore in kleinen Mengen, schnell und passgenau Kronen, Brücken, Gipsmodelle und viele kieferorthopädische Hilfsmittel herstellen. Auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis der Zahnersatz aus dem 3D-Drucker Standard ist, so können zukünftig auch kleinere Labors wieder dem Preis- und Qualitätsdruck durch die großen Anbieter gegenhalten.

Gerade für den deutschen Mittelstand ergeben sich durch die Verbindung von Digitalisierung, Industrie 4.0 und Produktionstechniken wie 3D Druck erhebliche Potenziale, um simultan Kosten- UND Nutzenführer zu werden. Nicht nur etablierte Produktionstechniken werden dabei erneuert und der Standort Deutschland gewinnt für die Produktion wieder an Bedeutung: Es entstehen bisher ungeahnte Möglichkeiten für disruptive Leistungsangebote und Geschäftsmodelle sowie zur Erschließung neuer Märkte. Mit der ihm bekannten Innovationskraft und konsequenten Umsetzungsstärke, kann besonders der deutsche Mittelstand von dieser Entwicklung profitieren. Denn es braucht weniger Größe, sondern vielmehr den Willen und die Flexibilität, um 3D Druck und Co. als Chance zu nutzen.


Dieser Artikel wurde ursprünglich vom selben Autor auf Focus Online sowie bei der Haufe Akademie veröffentlicht.

#DigitaleTransformation #Digitalisierung #3DDruck

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