• Marcus Disselkamp

Think outside the Box!?


In meinem letzten größeren Beitrag schrieb ich über die enorme Anzahl aktueller Disruptionen bzw. der kreativen Zerstörung. Damit meinen wir jene radikalen Neuerungen, welche die bestehenden Technologien, Prozesse, Produkte oder Geschäftsmodelle vollständig verdrängen.


Grundlage aller Disruptionen ist die Bereitschaft, außerhalb der Grenzen, also "outside the Box" zu denken. Es geht um das Verlassen eingefahrene Denkmuster und Denkmodelle, da das gewohnte Denken starr ist und gerne in gleichen Bahnen verläuft.



Mehrere Ansätze können bei dem Verlassen eingefahrener Denkmuster helfen: Provokationstechniken wie die Umkehrmethode, das Träumen im Rahmen der Walt Disney Methode oder Dark Horse Prototypen.


Provokationstechniken


Eine einfache Provokationstechnik ist die sog. Umkehrmethode von Edward de Bono. Bei ihr wird die vorliegende Problemstellung in ihr Gegenteil verkehrt und zur Grundlage eines Brainstormings gemacht. Die übliche Marschroute, die man bei der Bewältigung einer Aufgabe normalerweise einschlägt, wird mental umgekehrt.

Beispiel Umkehrmethode: Die Suche nach Lösungsmöglichkeiten für einen kundenfreundlichen Online Shop kann derart umgekehrt werden, einen möglichst kundenunfreundlichen Online Shop zu entwerfen.

Die Umkehrmethode bringt wie alle Provokationstechniken die Teilnehmer eines Kreativprozesses aus dem Gleichgewicht und aus der Hauptbahn ihres Denkens. Sie verschafft Distanz zu dem Problem, stimuliert ungewöhnliche Lösungen und ist universell einsetzbar. Die Antworten und Ideen sind allerdings nicht immer eins zu eins als Problemlösung praktikabel und müssen daher oft weiter angepasst werden, bzw. wie bei der Umkehrmethode einfach wieder zurück „umgekehrt“ werden.

Beispiel Provokation: Harvard Professor Clayton Christensen provozierte in seinem Bestseller "The Innovatior's Dilemma" mit der Aussage, dass Disruptionen erst durch das Ansprechen preissensibler Kundengruppen bzw. bisheriger Nicht-Kunden erreicht werden.

Walt Disney Methode


Die Walt Disney Methode geht auf Robert B. Dilts zurück und orientiert sich an seinem Verständnis über Walt Disney. Er sah in Walt Disney gleichzeitig einen Träumer, einen Realisten und einen Miesepeter und entsprechend teilen sich die Rollen in seiner Kreativitätstechnik auf, ergänzt um die Rolle eines neutralen Beobachters:


  • ·Der Träumer: Er produziert die fantastischsten Einfälle und spielt mit allen Möglichkeiten und vor allem Unmöglichkeiten. Der Träumer darf alles, nur eines nicht: ernsthaft über das Problem nachdenken.

  • Der Realist: Er repräsentiert den „Normalverstand“ und versucht planmäßig und strukturiert, die verrückten Ideen des Träumers aufzugreifen und weiterzuentwickeln.

  • Der Kritiker:Er unterzieht die Ideen einer schonungslosen Kritik. Es gelten die Fragen nach der Realisierbarkeit, Bedeutung und ob die Ideen überhaupt gewollt bzw. nachgefragt werden.


Wichtig ist bei dieser Kreativitätstechnik, die sowohl von Individuen sowie Gruppen durchgeführt werden können, dass nacheinander alle drei Positionen durchlaufen werden, ohne dass eine einzige ausgelassen wird. Keine Rolle darf die übrigen Rollen dominieren, da sonst entweder die Kreativität leidet oder aber die Chancen der Umsetzung. Befindet man sich in einer bestimmten Rolle, muss man sich auf diese konzentrieren und sie komplett ausfüllen. Dies ermöglicht erst den Charme und die Vorteile dieser Kreativitätstechnik: eine klare Trennung zwischen Vision, Realität und Problemen sowie eine reduzierte Frustrationsrate der Teilnehmer, weil ihre Ideen nicht sofort harscher Kritik ausgesetzt sind.

Beispiel Walt Disney: Suchen Sie beispielsweise gerade einen Weg zur beruflichen Entwicklung, dann träumen Sie zuerst einmal Ihren Traumjob. Nun lassen Sie den eigenen Kritiker Ihr heutigen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Möglichkeiten auseinandernehmen, um von dem Praktiker Wege zur Verbesserung finden zu lassen.

In Workshops können die Teilnehmer beispielsweise zuerst 45min. ihre Phantasien und Träume zu einer Aufgabenstellung sammeln, um nach einer kurzen Pause in weiteren 45min. alle kritischen Punkte zu der Aufgabenstellung zu erarbeiten. Nach einer erneuten Pause können in einem dritten Block die pragmatischen Möglichkeiten einer Umsetzung diskutiert werden. Der Wechsel der verschiedenen Rollen oder gar Positionen sollte so lange wiederholt werden, bis eine befriedigende und realistische Lösung gefunden ist.


Dark Horse Prototypen


Dieser Ansatz entstammt dem Design Thinking und sucht nach Prototypen, die gezielt außerhalb des bisher Bekannten liegen. Der Name "Dark Horse" bezieht sich dabei auf jene Pferde, die man bei Pferderennen und dazugehörenden Wetten zuerst nicht kennt und beachtet, die aber am Ende als Sieger zuerst die Ziellinie erreichen. Wetten auf ein Dark Horse erzielen beim Sieg die höchsten Wettprämien.


Was heißt das nun für das "Out of the Box"-Denken? Der Dark Horse Prototyp soll der geheime Super-Prototyp sein. Die kreativste, verrückteste, absurdeste und vielleicht dadurch auch teurste Idee von allen, schwer oder gar riskant zu realisieren. Entwickeln Sie den Prototyp eines wahrhaft erstaunlichen Produktes, auch wenn eine spätere Realisierung mit der aktuellen Technologie und dem aktuellen Wissen heute noch nicht möglich ist.

Beispiel Dark Horse: Die Automobilbranche diskutiert zur Zeit viel über neue, noch hochleistungsfähigere Batterien. Eine weniger Hersteller denken aber auch darüber nach, ob wir überhaupt solche Batterien für die eMobilität benötigen. Vielmehr könnten wir die Fahrzeuge an roten Ampeln oder auf Autobahnen während des laufenden Betriebes kontinuierlich aufladen. Unsere heutigen Batterien wären auf einmal ausreichend, umgekehrt fehlen noch so manche anderen technischen Lösungen.







Dieser Beitrag besteht vorwiegend aus Auszügen aus meinem Buch "Innovationen und Veränderungen" aus dem Jahr 2017.






















#Megatrends #DigitaleTransformation #Innovation #Disruption

© 09/2020

Dr. Marcus Disselkamp

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