• Marcus Disselkamp

Blockchain – Viel mehr als Bitcoin, Ethereum und Co.!

Aktualisiert: Mai 28



Zu den derzeit wohl interessantesten neuen digitalen Technologien zählt die Blockchain. Und sie ist viel mehr als nur die Grundlage vieler Kryptowährungen, also digitaler Währungen wie Bitcoin, Ethereum und Co. Auch wenn gerade um diese Währungen – und vor allem um deren Kursentwicklungen – ein wahrer Hype entstanden ist, so repräsentiert die Blockchain-Technologie generell ein enormes Potenzial für Produkt-, Prozess- und Geschäftsmodellinnovationen.

Blockchain ist zuerst einmal ein Transaktionsprotokoll zum sicheren Senden, Speichern, Empfangen und Verarbeiten von digitalen Daten. Grundidee der Blockchain-Technologie ist eine Art dezentrale Datenstruktur, gekoppelt mit einer Unveränderlichkeit der Datensätze und absoluter Transparenz. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Einträge, also ihre jeweiligen Datensätze und Transaktionen, in Blöcken zusammengefasst, als Kette aneinandergereiht und so gespeichert werden. Die zudem (kryptisch-) verschlüsselte Datenkette wird immer auf einer Vielzahl von Rechnern gleichzeitig und simultan abgespeichert (Redundanz). Kommt nun eine weitere Dateninformation zu der Kette hinzu, prüfen alle Rechner, ob der neue Datenblock zutreffen kann. Die Authentizität der Datenbankeinträge wird unwiderruflich sichergestellt. Die Blockchain funktioniert wie ein digitales Grundbuch, in dem zu jeder digital abbildbaren Vereinbarung zwischen zwei Parteien sämtliche Informationen unmanipulierbar aufgezeichnet und verschlüsselt in einem dezentral organisierten Netzwerk abgespeichert werden. Aktuell absolut sicher und immer verfügbar.

Was also bringt nun dieses Transaktionsprotokoll namens Blockchain? Zuerst einmal können jegliche Art von digitalen Daten derart zwischen zwei Parteien ausgetauscht werden, dass a) jeder der beiden Partner sicher sein kann, diese Daten von dem korrekten Partner erhalten zu haben und b) das der Inhalt der Daten korrekt sind. Damit bekommt der gesamte elektronische Datenaustausch (kurz: EDI – Electronic Data Interchange) eine vollkommen neue Dimension. Rechnungen, Bestellungen, Design- und Marketingvorlagen, Reklamationen, Artikel-, Personen- und Lieferdaten werden effizienter als bisher übermittelt. Die elektronische Identifikation von Personen wird sicherer, was bei elektronischen Wahlen, Zahlungsvorgängen und Geschäftstransaktionen von hoher Bedeutung ist.

Das hat viele Konsequenzen: Kosteneinsparungen, Geschwindigkeit und Datensicherheit. Doch manche etablierte Geschäftsmodelle werden auch toxisch, also vergiftet. Hier kommt es wieder zu dem – in meinen früheren 4Investors Beiträgen erwähnten - Effekt der Disintermediation: Es braucht langfristig keine neutralen Intermediäre mehr, wie Banken, Makler, Händler oder gar Notare und Ämter, um die an einer Transaktion interessierten Seiten zusammen zu bringen und für die Gültigkeit eines Geschäftes einzustehen. Dank Blockchain können sich die Verkäufer und Käufer von Waren und Dienstleistungen direkt vertrauen, ohne dass sie einen Intermediär als Vertrauensperson benötigen.

Und noch eine Blockchain basierte Errungenschaft wirkt auf den Megatrend der Disintermediation: Smart Contracts, also automatisierten Vertragsabwicklungen. Smart Contracts können die Logik vertraglicher Regelungen, wie Service-Level-Agreements oder digitale Kaufverträge, technisch abbilden und überprüfen, ob bestimmte vertraglich definierte Anforderungen eingetreten sind, um dann ohne menschlichem Einfluss Handlungen auszuführen. Beispielsweise erhöht sich der Preis für ein Carsharing Cabrio-Angebot automatisch bei sonnigem Wetter oder es wird nach jeweils 3000 Kilometer Laufleistung die Leasing-Rate eines PKW abgebucht.

Dank der Blockchain-Technologie werden Smart Contracts einfacher umsetzbar und sicherer. Und was ist die Konsequenz? Es kommt zu einer Disintermediation von Sachbearbeitern! Wozu benötigen wir noch Mitarbeiter in der Rechnungsprüfung, im Bestellwesen, der Wareneingangsprüfung, im Vertragswesen etc., wenn mittels Smart Contracts die Automatisierung von Standardprozessen weiter voranschreitet. Denn diese Mitarbeiter sind in Wahrheit auch nur Intermediäre, die durch Algorithmen ausgetauscht werden können.


Dieser Beitrag erschien zuerst als Gastbeitrag bei 4Investors unter https://www.4investors.de/nachrichten/autoren/marcus-disselkamp





Weitere Anregungen zu diesem Thema finden sich auch in meinem aktuellen Podcast in der Reihe "Kurz Nachgedacht" auf Spotify, Apple, Google und Co. sowie unter https://anchor.fm/disselkamp

© 05/2020

Dr. Marcus Disselkamp

Barystrasse 14 - D-81245 München

Phone: +49 89 8212485

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