• Marcus Disselkamp

Blockchain – Revolution des Zahlungsverkehrs

Aktualisiert: 23. Feb 2019



Blockchain heißt die Technologie, die hinter künstlichen Währungen wie Bitcoin steht. Und Blockchain hat das Potenzial, unseren gesamten Zahlungs- und Datenverkehr zu revolutionieren.

Noch hat der Begriff „Blockchain“ nicht die große Masse der Gesellschaft erreicht. Doch für Interessierte an neuen Technologien oder Vertreter der Finanzbranche hat Blockchain eine enorme Bedeutung. Man redet gar von einer Disruption bisheriger Geschäftsmodelle und der Existenzgefährdung vieler bestehender (Finanz-) Unternehmen.

Was ist eigentlich Blockchain?

Ein „Block“ ist zuerst einmal eine reine Sammlung von Internet-basierten, verschlüsselten (sog. kryptischen) Informationen über Transaktionen der Teilnehmer an einem verteilten, digitalen und verschlüsselten Zahlungssystem (sog. Kryptowährung). Wie der Kontoauszug einer Bank informiert der Block über Sender und Empfänger einzelner Transaktionen, allerdings anonymisiert. Mit jeder Bewegung oder Fortsetzung der Transaktion wird ein weiterer Block generiert, der sich mit dem vorher geschaffen Block zu einer Block-Kette (engl. Blockchain) ergänzt.

Dank der miteinander verbundenen, dezentral gespeicherten Blöcke soll eine hohe Transparenz und Sicherheit im Zahlungsverkehr entstehen. Alle Nutzer und Mitglieder eines Blockchains können selbst erkennen und überprüfen, ob ein Zahlungsvorgang unrechtmäßig stattfindet, da die Blocks für jeden öffentlich einsehbar sind.

Erstmalig wurde das Konzept der Blockchains 2008 von Satoshi Nakamoto beschrieben und im Jahr darauf in einer Software implementiert. Seitdem gewinnt diese Technologie an Fahrt und es finden sich immer neue - auf dem Blockchain Ansatz basierende - kryptische Währungen, wie noch gleich zu sehen ist.

Blockchain als Basis für neue Währungen

Die Marktkapitalisierung der auf Blockchain basierenden, kryptischen Währung Bitcoin liegt heute schon bei über 15,7 Milliarden Dollar. Und Bitcoin ist erst der Anfang. Die zweitplatzierte Währung Ether (als Teil des neuartigen Blockchain-Systems Ethereum) hat schon über 1,1 Milliarden Dollar, gefolgt unter anderem von Litecoin und Ripple.

Erhalten diese Parallelwährungen weiteren Zulauf, sind die Konsequenzen weitreichend: Banken und Notenbanken würden ihren Einfluss verlieren. Das Geld könnte nicht mehr staatlich kontrolliert werden. Jeder könnte selber entscheiden, welcher Währung er sein Vertrauen schenkt.

Neben Bitcoin gibt Ether einen Vorgeschmack auf mögliche neue Spielregeln und Geschäftsmodelle im Finanzwesen: Mit dieser kryptischen Währung arbeitet The Dao, was für „Dezentrale Autonome Organisation“ steht. The DAO ist quasi ein Investmentfonds, der in Startups und Produkte investieren will. Im Frühjahr 2016 sammelte er in drei Wochen fast 160 Millionen Dollar ein. Doch dieser von Deutschen programmierte Investmentfonds besteht nur aus reinem Programmier-Code, ganz ohne Rechtsform, Mitarbeiter und Geschäftsführung. Mit anderen Worten: Es entstehen neue Wettbewerber zu etablierten Finanzunternehmen – allerdings ohne Stammsitz, Rechtsform, Organen und Organhaftung (!) etc. Demokratisch stimmen alle Investoren in Höhe ihrer Einlage über mögliche Investitionen ab, wobei jeder auch Vorschläge für neue Investments geben darf.

Nicht nur Banken werden überflüssig

Dank der Blockchain mit ihrer Transparenz und Datensicherheit benötigt es bei Internet basierten Einkäufen keinen Zahlungspartner zwischen einem Anbieter oder Nachfrage, wie z.B. Banken oder Kreditkarteninstitute. Zahlungsvorgänge werden dadurch schneller, kostengünstiger und sogar demokratisierter: Als Paypal vor einiger Zeit die Konten von Wikileaks einfror, konnten über Blockchain dennoch Spenden die Organisation erreichen.

Die Bankenwelt hat die Chancen und Bedrohung durch Blockchain erkannt und versucht, das Feld nicht neuen Anbietern zu überlassen. Für ein gemeinsames Großprojekt haben sich gleich neun Riesenbanken zusammengefunden: Goldman Sachs, Barcleys, JP Morgan, State Street, UBS, Royal Bank of Scotland, Credit Suisse, BBVA, die Commonwealth Bank of Australia – sie alle haben sich mit der New Yorker Firma R3 zusammengeschlossen, um einen Rahmen zu entwickeln, in welchem die Blockchain genutzt werden kann (siehe www.r3cev.com).

Es geht aber nicht nur um einen bankenlosen Zahlungsverkehr. Blockchains sind anonyme aber öffentlich zugängliche Buchführungen! Diese buchhalterischen Datenbanken erlauben sog. Smart Contracts, also Computerprotokolle, mit denen bestimmte Verträge abgebildet, überprüft und deren Abwicklung technisch unterstützt werden.

Spinnt man diesen Gedanken weiter, so stellt die Blockchain Technologie enorme Auswirkungen für die heutige, oft noch von Menschhand betriebene Buchhaltung, Vertragsverwaltung und Supply Chain dar. Oder brutaler ausgedrückt: Brauchen wir noch in zehn Jahren so viele Mitarbeiter im Rechnungswesen, in der juristischen Vertragsprüfung, in den Finanzämtern, in den Grundbuchämtern, im Bestell- und Lieferwesen sowie Rechnungsprüfung? Oder können nicht viele von ihnen durch eine vereinfachte, transparente, harmonisierte, Schnittstellen-konforme Datenübertragung dank Blockchain und Smart Contracts ersetzt werden.

Und es muss gar nicht so disruptiv (bahnbrechend) sein: Blockchain unterstützt Startups, alle etablierte (Zahlungs-) Transkationen und Prozesse derart zu prüfen, ob sie nicht schneller, günstiger, flexibler und besser umgesetzt werden können.

Ist wirklich alles sicher?

Doch bleiben wir bei The Dao: Im Juni 2016 gelang es einem oder mehreren Unbekannten aufgrund einer Sicherheitslücke gleich zweimal mind. 3,6 Mio. Einheiten der Ether-Währung abzuzweigen, was einem Wert von mind. 50 Mio. US-Dollar entspricht. Das Geld liegt nun in der virtuellen Brieftasche der Angreifer, wo es für die nächsten vier Wochen nicht weiter gehandelt werden kann. So weiß zwar jeder, wo sich das Geld befindet, aber es bleibt unklar, ob die rechtmäßigen Besitzer ihr Geld irgendwann zurückbekommen.

Und dies ist kein Einzelfall: Bereits in 2014 meldete das Unternehmen Mt. Gox bei einem japanischen Bezirksgericht Insolvenz an. Damals war Mt. Gox mit über 60% des weltweiten Bitcoin-Handelsvolumen der größte Handelsplatz für kryptische Währungen. Auslöser für die Insolvenz von Mt Gox war der Vertrauensverlust der Investoren nach bekannt gewordenen Sicherheitslücken.

Und wie geht es weiter?

Die Blockchain Technologie bestimmt die Zukunft! Vergleichbar mit dem TCP/IP Protokoll, welches das Internet überhaupt erst ermöglichte, kann Blockchain das Rückgrat der zukünftigen Zahlungs- und Vertrags-Vorgänge werden. Ob allerdings die heutigen Systeme, Währungen und Anbieter den aktuellen Hype um sie herum überleben, ist offen. Am Ende regiert Vertrauen die Welt! Und Vertrauen schafft man durch Nachhaltigkeit, Marken- und Kundenbindung, Transparenz, Verantwortungsbewusstsein / Haftung sowie erfolgreichem Krisenmanagement. So bleibt es spannend zu zusehen, wie auf aktuelle Sicherheitslücken reagiert wird.

Vielleicht übernehmen langfristig bereits etablierte Transaktions-Anbieter, wie Amazon, Google und Co. – oder gar auch die kriselnden Banken und Versicherungen – die Führung bei Blockchain Anwendungen. Immerhin haben diese Firmen – trotz aller Diskussionen um Kundendaten, Sicherheit oder zukünftigem Geschäftsmodell - ein gewisses Kundenvertrauen etabliert. Allerdings benötigen die bisher eher inflexiblen Finanzinstitute die gleiche Agilität, wie sie Startups als kleinere Organisationseinheiten darstellen. Dies aber ist – neben Blockchain als Protokoll – die eigentliche Herausforderung der Zukunft!


Dieser Artikel wurde ursprünglich vom selben Autor auf Focus Online veröffentlicht.

TIPP!

Das eintägige "Blockchain" Praxis-Seminar meines Trainerkollegen Thomas Vehmeier findet am 9. September 2016 in Köln statt. Mehr hierzu unter http://www.blockchain-seminar.de

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